Warum haben wir uns dem Thema „Körpermotorik“ angenommen?
Die wichtigsten Bestandteile der Körpermotorik sind die Aufrichtung des Körpers sowie die Fähigkeit zur Fortbewegung. Mit der Entwicklung dieser motorischen Fähigkeiten erweitert das Kind in den ersten Lebensjahren seine Möglichkeiten, die Umwelt aktiv zu entdecken und mit ihr in Kontakt zu treten. Besonders die aufrechte Haltung erleichtert dabei die Wahrnehmung der Umgebung, da sich das Sichtfeld vergrößert und Geräusche gezielter wahrgenommen und eingeordnet werden können. Körpermotorik ist somit eine wesentliche Voraussetzung für Selbstständigkeit, Lernen und soziale Teilhabe.
Die Entwicklung der Motorik stellt für Kinder eine große Herausforderung dar, insbesondere das Bewegen gegen die Schwerkraft. Während der Schwangerschaft wird die Wirkung der Schwerkraft durch das Fruchtwasser abgeschwächt, weshalb das Kind nach der Geburt zunächst lernen muss, seinen Körper eigenständig zu kontrollieren. Ein wichtiger erster Entwicklungsschritt ist dabei das Anheben und Halten des Kopfes. Sobald ein Kind dies sicher und über längere Zeit schafft, spricht man von einer stabilen „Kopfkontrolle“, die sich meist im Verlauf des ersten Lebenshalbjahres entwickelt.
Im weiteren Verlauf der frühen Kindheit bauen die motorischen Fähigkeiten aufeinander auf. Kinder lernen sich zu drehen, zu sitzen, zu krabbeln, zu stehen und schließlich frei zu gehen. Mit jedem dieser Schritte gewinnen sie mehr Bewegungsfreiheit und können ihre Umwelt selbstständiger erkunden. Die motorische Entwicklung steht dabei in enger Verbindung zu anderen Entwicklungsbereichen, beispielsweise zur Wahrnehmung, Sprache oder sozialen Entwicklung.
Da sich Kinder individuell unterschiedlich entwickeln, spielen Eltern, pädagogische Fachkräfte und andere Bezugspersonen eine wichtige Rolle. Durch Bewegungsangebote, eine sichere Umgebung und unterstützende Begleitung können sie die motorische Entwicklung gezielt fördern. Bewegung unterstützt nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern stärkt auch das Selbstvertrauen, die Selbstständigkeit und die Fähigkeit, aktiv mit der Umwelt zu interagieren.
Kurz gesagt: Unser Anliegen ist es, Kindern durch unterschiedliche Bewegungsangebote die Möglichkeit zu geben, ihren Körper bewusst wahrzunehmen, neue motorische Fähigkeiten zu entdecken und Freude an Bewegung zu entwickeln. Dabei stehen das gemeinsame Lernen, das Ausprobieren und die Förderung der körperlichen Entwicklung im Mittelpunkt. Körpermotorik schafft die Grundlage dafür, die Umwelt selbstständig zu erkunden, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen und aktiv am Alltag teilzunehmen.
Quellen:
- Michaelis, Rainer (2010): Entwicklung des Kindes. Göttingen: Hogrefe.
- Zimmer, Renate (2019): Handbuch Bewegungserziehung. Freiburg: Herder.